Ich habe mir am Wochenende alle Folgen von Iron Fist reingezogen. Es ist irgendwie extrem schwer diese Serie zu beurteilen, weil es so viele Aspekte gibt, die zum Teil sehr gelungen sind, aber auch einige sind ziemlich mau. Nach Daredevil, Jessica Jones und Luke Cage waren die Erwartungen sehr hoch, denn wieder hat ein Neuling die Bühne betreten, der nur langjährigen Fans und intensiven Comic-Lesern ein Begriff gewesen ist. Dies führt natürlich dazu, dass die Einführung dieses vielschichtigen Charakters von großer Bedeutung war. Leider führte dies bereits zu einigen Unklarheiten, weil Iron Fist seine Superkraft nur sehr selten eingesetzt hat. Stattdessen sehen wir viele Male die Szenen aus dem Flugzeugabsturz und besonders oft den Moment, als seine Mutter aus dem Flugzeug geschleudert wurde. Mir fällt es sehr schwer diesen Artikel mit einem stimmigen Konzept zu schreiben, aber ähnlich ist es den Serienschöpfern von Iron Fist wohl auch gegangen.

Der große Vorteil wurde zu einem Nachteil

Bisher war es immer ein großer Vorteil für eine Netflix-Serie von Marvel, dass hier keine zeitlichen Begrenzungen eingehalten werden müssen. Eine Folge kann 50-70 Minuten dauern, so dass genug Zeit für die Handlung, den Aufbau und die Entwicklung der Charaktere und Platz für unvorhersehbare Ereignisse vorhanden war. Doch leider hält sich die Serie an diese Freiheiten, aber kann diese nur an einigen Stellen auch sinnvoll und fesselnd ausfüllen. Mein erster Ausbruch der Freude kam zwischen Folge 3 und 5, doch dann zog es sich wieder. Sie hatte zwischen den Folgen 6-8 wieder Höhepunkte und versackte dann völlig in der Bedeutungslosigkeit. Am Ende war ich tatsächlich froh, als zum letzten Mal der Abspann kam und es keine weitere Folge mehr gab. 10 Folgen hätten für diese Geschichte locker gereicht, vielleicht sogar eher 9 Folgen.

Wer ist Iron Fist in der Serie?

Danny Rand ist zu Iron Fist geworden und kehrt nach 15 Jahren nach New York zurück. Hinter ihm liegt der tragische Tod seiner Eltern, ein hartes Training und gipfelte in der Bestimmung als Iron Fist den Pfad nach Kún´lun zu beschützen. Doch er verlässt den Ort, als sich das Tor öffnet und kehrt nun nach Hause zurück. Immer wieder beteuert er, dass er eine menschliche Waffe ist, doch er hat in der Serie mal kein Problem mit mehreren Kämpfern, die Wurfbeile in den Händen halten, aber ein einziger unbewaffneter Mann ringt ihm einen minutenlangen Kampf ab.

Er entdeckt für sich, dass er die Kraft der Iron Fist nicht nur zum Schutz von Kún´lun einsetzen möchte, sondern wird von seinem Gerechtigkeitssinn geleitet, der nicht wirklich zu den Entscheidungen der Chefetage aus der Firma seines Vaters passen. Dort punktet er auch und alles läuft darauf hinaus, dass er als Superheld „Iron Fist“ gegen das Verbechen in der Stadt kämpft. Dazu kommt es aber in der Serie nicht. Als die Todfeinde von Kún´lun, die Hand, auftaucht, hat er seinen ersten großen Gegner, der dann aber wieder nicht der wahre Gegner ist und findet sich am Ende im Endkampf gegen Harold Meachum wieder. Dieser wurde von der Hand unsterblich gemacht, jedoch verfügt er über keine besonderen Kräfte und stellt sich plötzlich als ernster Gegner für Iron Fist heraus. Dieser Boss-Kampf ist absolut unspektakulär und absolut nicht geschickt gewählt.

Diese Suche nach der Bestimmung ist eigentlich spannend, doch der Schauspieler von Iron Fist Finn Jones verkörpert diesen Superhelden nicht so wirklich. In vielen Szenen fand ich ihn großartig, aber dann auch wieder fehl am Platz. Seine Statur kann auch nicht ewig darüber hinwegtrösten, dass er seine Kraft aus der Mitte, dem Qi, zieht und somit dieses Qi über die körperliche Kraft setzt. Zu schwach und wenig überzeugend ist an manchen Stellen seine Überlegenheit.

Ein paar Schlagzeilen zu Iron Fist

Mal abgesehen davon, dass diese von mir aufgeführten Seiten diese reißerischen Überschriften nur gewählt haben, weil Sie sich der Welle der Kritik für ein paar Klicks anschließen wollen, ist es eben immer wieder der Kontrast bei Comic-Verfilmungen zwischen dem Comic-Gucker und dem Comic-Leser.

Voting eines Comic-Blogs zu Iron Fist

Denn wenn ich in die aktuelle Umfrage auf dem von mir geschätzten Comic-Blog BizzaroWorldComics schaue, dann sind dort 57 % begeistert, 20 % wie ich zwiegespalten und nur 9 % geben den negativen Kritiken recht. Auf Webseiten ohne fokussierten Comic-Bezug und ohne Comic-Community würde solch eine Umfrage bestimmt anders aussehen.

Die viel diskutierten Negativpunkte

Finn Jones

Er ist vielleicht zu schmächtig, selten überlegen und nutzt seine Iron Fist zu selten, aber dennoch verkörpert er schon den Mann, der ungewollt in diese Bestimmung gerutscht ist und nun entscheiden muss, welchen Weg er einschlagen will. Kommt es zu seiner Besinnung und zum Abschluss seiner Ausbildung, dann wird er diese Kraft öfters einsetzen und ein selbstbewussteres Bild abgeben. Wenn dies alles beabsichtigt war, dann hat die Serie diese Kritiken nicht verdient. Es passt auch zu meinem Bild, dass ein Großteil der Serie eher ein Trailer für die zweite Staffel, in der es dann aber richtig knallen muss, war. Schauen wir uns das gesamte Ensemble der kommenden Serie „The Defenders“ an, dann müssen wir zugeben, dass er da verdammt gut reinpassen wird. Ich kann mir die Kombination aus Luke Cage und Iron Fist, welche auch oft in den Comics vorkommt, sehr gut vorstellen. Eine Rezension, zu dem ersten neuen gemeinsamen Abenteuer der beiden könnt, ihr euch hier anschauen.

Die Kämpfe

Die realistisch wirkenden Kämpfe der Marvel-Serien bei Netflix sind zu einem Markenzeichen geworden. Leider haben die Macher von Iron Fist hier übertrieben, so dass Iron Fist durch lange Kämpfe gegen ganz normale Männer schwach dargestellt wird. Manche Kampfszenen wirken wirklich nicht so gelungen, wie die aus Daredevil zum Beispiel. Aber diesem großen Kritiker-Hype will ich mich auch hier nicht komplett anschließen.

Charaktere

Die komplette Familie Meachum hat viele Probleme und ist eigentlich total kaputt. Doch manchmal haben diese Probleme zu viel Screentime und wiederholen sich sehr oft, um auch dem letzten Zuschauer das kaputte Familienbild aufzuzeigen.

Ich mag die Figur von Harold Meachum sehr und fand es fast schade, dass er sich am Ende doch als der Endgegner herausstellte. Da hätte ich mir einen anderen Cliffhanger und eine längere Zeit des gemeinsamen Kampfes gewünscht. Am Ende passierte zu schnell zu viel mit der Figur und der komplette Aufbau der Figur verpuffte.

Rosario Dawson als Claire Temple begeisterte mich erneut sehr und ich mag es, wie dieser Charakter immer stärker wird und auch eine echte Verstärkung im Kampf sein kann.

Colleen Wing war wunderbar in ihrer Rolle. Die Kämpfe im Käfig waren tatsächlich ein Highlight.

Mein Fazit

Es ist wirklich schwierig ein Fazit zu ziehen, jedoch trifft die Beschreibung meines Zustandes nach dem letzten Abspann mit „Zwiegespalten“ recht deutlich zu. Ich fand vieles gut, einiges schlecht und sehr viel ausbaubar. Die Reise der Marvel-Serien auf Netflix ist lange noch nicht vorbei und wir Fans freuen uns auf Fortsetzungen.

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